Wer in Dubai unterwegs ist – sei es in der Lobby eines Luxushotels, in der Dubai Mall oder beim Betrachten von Nachrichtenbildern der Herrscherfamilie – dem fällt oft eine ganz besondere Geste auf: Männer, die sich zur Begrüßung nicht einfach die Hand geben, sondern sich mit den Nasenspitzen berühren.
Für uns Europäer sieht das auf den ersten Blick aus wie ein Eskimokuss oder eine sehr intime Geste. Doch dahinter steckt eine jahrhundertealte Beduinen-Tradition, die viel über den Stolz und die Geschichte der Emirate erzählt. Wir klären auf, was es mit dem „Khashm Makh“ auf sich hat.
Die Nase als Sitz der Ehre
Zuerst einmal: Es ist kein Kuss. Es wird keine Luft eingezogen und es gibt kein Geräusch. Es ist eine sanfte Berührung der Nasenspitzen.
Aber warum die Nase? In der arabischen Stammeskultur gilt die Nase als das Zentrum des Gesichts und damit als Sitz des Stolzes und der Würde. Wenn zwei emiratische Männer ihre Nasen aneinanderstoßen, ist das ein Zeichen von extremem Respekt. Es signalisiert: „Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Mein Stolz ist dein Stolz.“
Falken, Kamele und keine Hand frei: Der wahre Ursprung
Die Geschichte, woher diese Begrüßung stammt, ist faszinierend und führt uns direkt zurück in die Zeit der Wüstenbeduinen. Die pragmatische Erklärung ist nämlich so simpel wie einleuchtend: Die Männer hatten früher schlichtweg keine Hand frei.
Stellt euch einen Beduinen vor, der durch die Wüste reist:
- In der linken Hand hielt er die Zügel seines Kamels.
- In der rechten Hand trug er seinen Stock oder eine Waffe (Gewehr/Schwert) zum Schutz.
- Oft saß auf dem Arm auch noch ein kostbarer Jagdfalke.
Wie begrüßt man also einen Freund, wenn man weder die Waffe ablegen (Sicherheitsrisiko) noch das Kamel loslassen kann? Man nutzt das einzige Körperteil, das Respekt ausdrückt und „frei“ ist: die Nase. Aus dieser praktischen Notwendigkeit entwickelte sich über Generationen hinweg eine der nobelsten Gesten der Golfregion.
Der Kuss auf die Schulter: Eine Frage des Ranges
Vielleicht habt ihr auch schon beobachtet, dass manchmal nicht die Nase berührt, sondern die Schulter geküsst wird. Das ist keine Variation, sondern hat eine ganz andere Bedeutung.
Während der Nasenstupser meist unter Gleichgestellten (Freunden, Brüdern) stattfindet, ist der Kuss auf die rechte Schulter ein Zeichen von Demut und Loyalität.
- Jüngere machen das bei Älteren.
- Söhne bei ihren Vätern.
- Bürger bei ihrem Scheich.
Die Symbolik ist stark: Die Schulter steht für das Tragen von Lasten und Verantwortung. Wer dem Scheich die Schulter küsst, sagt damit symbolisch: „Ich erkenne die Last der Verantwortung an, die du trägst, und ich stehe hinter dir.“
Darf ich das als Tourist auch machen?
Die kurze Antwort: Besser nicht.
Der Nasenstupser („Khashm Makh“) ist eine sehr intime, kulturell tief verwurzelte Geste unter einheimischen Männern. Wenn ihr als Tourist versucht, einen Emirate so zu begrüßen, könnte das schnell unangenehm oder respektlos wirken, auch wenn es gut gemeint ist.
Unser Tipp für eure Dubai-Reise: Bleibt beim klassischen Händedruck (immer mit der rechten Hand!) und einem freundlichen Lächeln. Wenn ihr besonders höflich sein wollt, legt dabei die linke Hand auf eure Brust und sagt „Salam Alaykum“. Damit zeigt ihr Respekt für die Kultur, ohne in ein Fettnäpfchen zu treten.


Über den Autor
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